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Wichtig ist auch neben dem Platz

Tausende Menschen, eine Sportarena unter freiem Himmel, konkurrierende Vereine, Alkohol – nach den Vermutungen der Experten ist dieser Mix der Nährboden für Diskriminierung.

Münster/Köln. Tausende Menschen, eine Sportarena unter freiem Himmel, konkurrierende Vereine, Alkohol – nach den Vermutungen der Experten ist dieser Mix der Nährboden für Diskriminierung, Rassismus, Homophobie und schließlich pure Gewalt in den Fußballstadien dieser Welt. Für die Teilnehmer des KAB-Seminars „Fußball & die Gewalt“ standen am Ende allerdings zwei Erkenntnisse absolut fest: erstens ist und bleibt Fußball ein phantastischer Sport und zweitens muss sich jeder wahre Fußballfan gerade neben dem Platz aktiv für Demokratie, Toleranz und ein friedliches Miteinander einsetzen.

Die 10 Freizeitkicker des SC Münster United, die mit dem Bildungswerk der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) aus Münster vom 07. - 09. September 2018 nach Köln fuhren, bekommen normalerweise bei ihren eigenen Spielen nicht allzu viele Fans zu sehen. Doch alle haben schon Erfahrungen in den verschiedensten Stadien des Landes mit verbaler und körperlicher Gewalt von sogenannten „Fans“ machen müssen. Einige erkannten Freitagabend sogar Szenen aus der Dokumentation „Gewalttäter Fußball - Borussia Dortmund und sein Fanproblem“ wieder, den die Gruppe zum Themeneinstieg sah, was zu einem regen Austausch führte.

Mit vielen Fakten, vielen persönlichen Eindrücken, aber auch mit viel Nachdenklichkeit überzeugte dann am Samstagvormittag der pädagogische Mitarbeiter Carsten Blecher vom Kölner Fanprojekt. Er referierte über die verschiedenen Fantypen, Entwicklungen in der gewaltbereiten Fanszene und pädagogischen Ansätzen des Fanprojektes. Das gewaltbereite Hooligans als „erlebnisorientierte Fans“ bezeichnet werden, erstaunte die Seminargruppe genauso wie der Arbeitsansatz, ein- bis zweimal im Jahr im Zuge von Auswärtsspielen mit jungen Fans Gedenkstätten wie Buchenwald oder Ausschwitz zu besuchen. So stellt ein Arbeitsschwerpunkt des Fanprojektes die Arbeit gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung dar. „Es gibt im Fußball so gut wie keine links-, sondern fast nur rechtsextreme Gewalt“, so Blecher.
 
Die Teilnehmenden sortierten sich bei persönlicher Betrachtung eher als konsumorientierte (Fußball als Freizeitvergnügen) oder als kritische (aktive Mitgestaltung der Fanszene) Fans ein. Trotzdem kann es schnell passieren, dass man selbst Aggressionen aufbaut. „Wenn die Atmosphäre im Stadion aufgeheizt ist und man selbst nicht gut drauf ist, dann erwischt man sich auch schnell selbst dabei, den Schiri oder andere Fans arg zu beschimpfen und seinen eigenen Frust an anderen abzulassen und da fängt es im Grunde ja auch schon an.“, spricht der Seminarleiter Ansgar Jux auch aus eigener Erfahrung. Aber alle Seminarteilnehmer waren sich einig, dass es Grenzen der Gewalt gibt, die nicht überschritten werden dürfen. „Diskriminierung, Rassismus, Sexismus, rechtsextreme Aktivitäten, Gewalt gegen Unbeteiligte haben auf, aber eben auch neben dem Platz nichts zu suchen.“, stellt Jux als Ergebnis der Gruppendiskussion zusammenfassend fest.  

Bei der Stadionführung am Sonntagvormittag im RheinEnergieSTADION des 1. FC Köln wurde dann auch vor Ort ersichtlich, welche großen Anstrengungen ein Verein mittlerweile vollziehen muss, um die Sicherheit der richtigen Fans und der Akteure auf dem Platz zu gewährleisten. Spezielle Trennzäune, hochentwickelte Kameras, gut ausgebildete Sicherheitsleute rund um das Stadion bis in die Fankurven hinein, ständiger Austausch zwischen Polizei, Verein und Fanbeauftragten sowie Fangruppierungen sind nur einige der notwendigen Maßnahmen.

Doch bei aller Aufrüstung und Fanbetreuung wurde am Seminarende von den Teilnehmenden festgehalten, dass es vor allem darauf ankommt, dass die „wahren Fans“ aktiv die Fanszene und die Gesellschaft mitgestalten müssen, um diese sinnlose Gewalt nicht erst entstehen zu lassen. Wenn die Fans so eng zusammenstehen, dass Rassisten keinen Platz zwischen ihnen haben, und wenn Fangruppen offensiv für eine offene, tolerante und demokratische Gesellschaft eintreten, dann hat Gewalt im Fußball wenige Chancen.

 

Text: Ansgar Jux
Foto: KAB
13.09.2018

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