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Mehr als ein Sprachkurs – Deutsch für Geflüchtete in Hopsten-Schale.

Es wird still am Kaffeetisch im evangelischen Pfarrheim von Hopsten-Schale als Pfarrer Roland Wendland von einer Familie mit drei Kindern erzählt, die vor der Abschiebung stehen.

Hopsten-Schale. Es wird still am Kaffeetisch im evangelischen Pfarrheim von Hopsten-Schale als Pfarrer Roland Wendland von einer Familie mit drei Kindern erzählt, die vor der Abschiebung stehen. Rechtlich gesehen sei das vielleicht korrekt, aber für die Kinder, die Kindergarten und Schule besuchen und sich im Dorf beheimatet fühlen, sei es eine Katastrophe, sagt Wendland. Und auch die Menschen im Dorf würden es nicht verstehen, warum Menschen, die „engagiert lernen, integriert sind, Ausbildungsplätze haben und unsere Werte teilen“, so der Pfarrer, warum diese Menschen nicht in Deutschland bleiben dürfen.

Weit mehr als nur ein Sprachkurs
Auch die Landtagsabgeordnete Andrea Stullich weiß um die Härte solcher Entscheidungen. An diesem Tag ist Stullich auf Einladung des KAB-Bildungswerkes nach Schale gekommen, um die Sprachkurse zu besuchen, mit Lehrenden und Lernenden zu reden und Hinweise für die Politik mitzunehmen. Schnell ist klar, dass es bei den Sprachkursen um mehr geht als um die reine Sprachvermittlung. „Wir helfen“, sagt Annette Wendland, Pfarrerin in Schale und nun ehrenamtliche Deutsch-Lehrerin schlicht. In den Kursen, so Wendland weiter, hören die Lehrenden von ganz praktischen Nöten der Geflüchteten. Mit den Aktiven vom Arbeitskreis „Asyl“ unterstützen sie dann, wo sie können. „Bei Behördengängen zum Beispiel“, sagt die Pfarrerin, „oder bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Ausbildungsplatz“.

„Wir erleben hier die gesamte Bandbreite der Flüchtlingsproblematik“, hatte Josef Mersch, KAB-Bildungswerk, schon bei der Begrüßung gesagt. Im Gespräch mit den Geflüchteten und ihren Lehrer*innen sind die Probleme – neben der dringend nötigen, höheren finanziellen Unterstützung der Kurse – bald identifiziert: der knappe Wohnraum, das ewige Warten auf Verfahren und Anerkennung, die Residenzpflicht, die geringe öffentliche Mobilität im ländlichen Raum, die mangelnde Anerkennung von Berufsabschlüssen aus den Herkunftsländern. Genug Stoff für mehr als zwei Stunden Besuch. Umso mehr freut es die Lehrenden und die Kursteilnehmer*innen, dass Andrea Stullich sie alle am Ende des Vormittags zu einem Besuch im Düsseldorfer Landtag und zu weiteren Gesprächen dort einlädt.

Neun Nationen in zwei Kursen
Schale ist ein Ortsteil der Gemeinde Hopsten im Kreis Steinfurt mit rund 1300 Einwohner*innen. In Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde, der evangelischen Kirche und dem ehrenamtlichen Arbeitskreis „Asyl“ bietet das KAB-Bildungswerk Nordmünsterland Sprachkurse für Flüchtlinge an, die in den drei Ortsteilen Hopsten, Halverde und Schale untergebracht sind. Montag bis Donnerstag von 9.00 bis 12.30 Uhr kommen etwa 25 Erwachsene aus neun Nationen zum Unterricht in zwei Gruppen – sie kommen aus Syrien, dem Iran und der Türkei, aus dem Irak, Aserbaidschan, Usbekistan und Georgien sowie aus Eritrea und Guinea.

Annette Wendland unterrichtet die Anfänger*innen, die sich auf die Prüfung „A1“ vorbereiten. Mit ihr lernen die Schüler*innen gerade, wie sie Vokabeln von der Einzahl – „das Glas“ – in die Mehrzahl „die Gläser“ setzen. „Wie gut, dass ich deutsch nebenbei beim Aufwachsen gelernt habe“, kommentiert Josef Mersch die Anzahl von grammatikalischen Ausnahmen in der deutschen Sprache. Auch Stullich ist beeindruckt vom Fleiß und vom Kenntnisstand der Lernenden. Immer wieder lobt sie die Frauen und Männer für ihre deutschen Sprachkenntnisse.

Die Fragerunde mit der Landtagsabgeordneten ist lebhaft. Ein Geflüchteter aus einer ehemaligen Sowjet-Republik fragt, ob Geflüchtete nicht abgeschoben werden können, wenn sie im Heimatland unterdrückt werden. Andrea Stullich bejaht dies mit Verweis auf die Genfer Flüchtlingskonvention

Sie selbst berichtet von ihrer Arbeit im Petitionsausschuss – einem Ausschuss des Landes, den Bürgerinnen und Bürger anrufen können, wenn sie ein Problem, eine Not oder ein Anliegen haben. „Eine sehr wichtige Aufgabe“, sagt sie. Der Ausschuss prüfe jeden Fall einzeln und kümmere sich um eine Lösung, die, so Stullich, manchmal schon darin besteht alle Betroffenen zum klärenden Gespräch an einen Tisch zu kriegen.

Mitmenschlich miteinander umgehen und einander verstehen
In Schale pauken die Kursteilnehmer*innen auch nach dem Besuch von Andrea Stullich fleißig deutsche Vokabeln und Grammatik. Für ihre Lehrerein Irene Baar ist der Sprachkurs auch eine Übung in „Völkerverständigung“. „Man lernt gemeinsam eine Sprache, um sich zu verständigen aber eben auch um sich zu verstehen“, erklärt Irene Baar. Das sei in ihren Augen aktive Arbeit für den Frieden.

Neben den Wendlands und Irene Baar engagieren sich viele Ehrenamtliche um die geflüchteten Menschen, die in der Großgemeinde Hopsten angekommen sind. Für sie ist es schwer, immer wieder zu erleben, dass Schüler*innen abgeschoben werden und so aus dem Leben des Dorfes verschwinden. Umso wichtiger sei es, sagt Irene Baar, einen „guten Ort“ zu schaffen. „Der Deutschkurs soll so ein Ort sein, an dem wir alle mitmenschlich miteinander umgehen und an dem die Geflüchteten guten Unterricht erleben“, sagt sie. So wird im Unterricht intensiv gelernt, viel gelobt und jeder Fortschritt aufmunternd hervorgehoben. Der nächste Prüfungstermin ist Anfang Juli, verrät Josef Mersch. „Kein Grund zur Aufregung“, sagt er. Die Quote derer, die in Hopsten die Prüfungen bestehen, sei hoch. Ein guter Ort eben.


Text/Foto: Heike Honauer
04.06.2019

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