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Im Fußball gibt es keine Flüchtlinge.

Münster/Günne. "Ein Freundschaftsspiel zwischen BSV United Colours und dem SC Münster United ist schon ausgemacht", freut sich Ansgar Jux, Bildungsreferent beim KAB-Bildungswerk und Leiter des Seminars "Fußball und die Flüchtlinge".

Spieler des Fußballclubs von Münster United trafen sich beim KAB-Seminar mit Gästen aus dem Integrationsprojekt der BSV Fortuna Dortmund 58.

Ein Fußballspiel als Folge eines KAB-Bildungswochenendes ist eher ungewöhnlich. Und so schiebt Jux auch gleich die Erklärung nach: "Wir hatten vier Leute vom Fußball-Integrationsprojekt BSV United Colours als Referenten zu Gast. Die vier, Sandra Klempert, Matthias Tischler, Omar Rasool und Philip Rose, haben so eindrucksvoll und sympathisch von ihrem Projekt erzählt, dass wir unbedingt die Mannschaft kennenlernen und gegen sie spielen wollten".

14 Freizeitkicker des SC Münster United hatten mit dem KAB-Bildungswerk ein Wochenende lang im Sauerland ihrem Hobby gefrönt und sich dabei mit der Flüchtlingsfrage auseinandergesetzt. Fluchtursachen, Fluchterfahrungen und die Frage, welche Rolle ein Sport wie Fußball bei der Integration der Geflohenen spielen kann, waren die Themen des Wochenendes. Fußball gespielt gegen eine internationale Mannschaft wurde natürlich auch.

Aus Zahlen werden Schicksale

Das Seminar "Fußball und die Flüchtlinge" begann mit einem Vortrag von Benjamin Reichpietsch über die Gründe, die Entwicklung und den aktuellen Stand der Flüchtlingsfrage in Deutschland. Reichpietsch arbeitet in den Jugend-Migrations-Diensten und konnte neben Fakten viele Erfahrungen aus seiner Arbeit erzählen. So verschwanden die nackten Zahlen hinter persönlichen Schicksalen und Erlebnissen.

Die Hoffnung auf eine Fußballkarriere und Bleiben.

Am Samstag schnürten die United-Spieler ihre Fußballschuhe für ein Freundschaftsspiel gegen eine Mannschaft aus der Zentralen Unterbringungseinrichtung Echtrop. Unterstützt wurden sie vom örtlichen SuS Günne 1926 e. V., der den Sportplatz und viel kühles Wasser an diesem heißen Spätsommertag zur Verfügung gestellt hatte. Vor dem Spiel und in den Pausen Spiels kamen die Mannschaften miteinander ins Gespräch. Fußball hat für die aus Eritrea, Ghana, Nigeria, Irak, Afghanistan und Syrien stammenden Flüchtlinge eine hohe Bedeutung, erfahren die deutschen Kicker. Fußball sei eine Abwechslung des oft tristen Alltags und die Hoffnung auf eine Karriere in diesem Sport sei für viele Ansporn, Fußball zu spielen. Für die meisten bleibt die Karriere im Profifußball, die Bleiberecht und viel Geld verspricht, aus, weiß Jux. Ein Erfolg sei es, wenn der ein oder andere in einen Oberligavereine vermittelt werden kann.

Aus Flüchtlingen werden Angekommene

Der Deutschen Fußballbund (DFB) und der Landessportbund Nordrhein-Westfalen fördern Vereinsprojekte, die sich um Flüchtlinge kümmern. Dazu gehört auch das Projekt des BSV Fortuna Dortmund 58. Die Projektleiterin Sandra Klempert, die beiden Trainer Matthias Tischler und Philip Rose sowie der Spieler Omar Rasool waren am Samstagnachmittag als Referenten im Seminar zu Gast. "Wir möchten aus Flüchtlingen Angekommene machen", erklärt Sandra Klempert. Deshalb sprächen sie bei der BSV Fortuna auch nicht von einer "Flüchtlingsmannschaft". "Das Team hat sich den Namen BSV United Colours gegeben", sagt Klempert. Ziel sei, so die Projektleiterin weiter, dass im Verein nicht mehr Herkunft, Sprache oder Religion eine Rolle spielen, sondern das fußballerische Vermögen und das selbstverständliche menschliche Miteinander.

Es gibt Probleme und es gibt Erfolge.

Das Projekt habe Probleme und Erfolge – sagen die beiden Trainer. So seien Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und die Sprache Herausforderungen für den Umgang miteinander und auch die Organisation einer solchen Mannschaft hätten sie sich zunächst leichter vorgestellt, erzählt Trainer Philip Rose. Die Spieler können beispielsweise nicht am normalen Ligabetrieb teilnehmen, weil sie nachweisen müssen, dass sie nicht mehr in ihrer Heimat spielen. "Man kann sich vorstellen, wie schwierig dieser Nachweis aus Ländern ist, die gerade ganz andere Probleme als Spielerpässe haben", erklärt Rose.

Matthias Tischler zählt die Erfolge auf – die Spieler lernen einander kennen, zwischen Geflohenen und Deutschen entstehen Freundschaften, die wiederrum helfen, die deutsche Sprache zu üben. Gemeinsame Feste bekommen auch für die Deutschen einen neuen Anstrich: "Bei der letzten Weihnachtsfeier", erinnert sich Tischler, "haben wir Gerichte aus Syrien und dem Irak gegessen und haben deutsche Musik gehört."

"Fußball gibt uns die Chance, normale Menschen zu sein"

Omar Rasool kam vor einem Jahr aus dem Irak nach Deutschland und kickt jetzt im Mittelfeld bei BSV United Colours. Er wünscht sich, dass seine Mannschaft noch viel mehr Spiele machen kann – sehr gern gegen andere Clubs. "Fußball ist für uns eine Chance, normale Menschen zu sein", erklärt Rasool. Das hieße für ihn, Anerkennung für die eigene Leistung zu bekommen und sich sinnvoll zu beschäftigen.

Münster United plant weitere Spiele

Rassols Wunsch griffen die Seminarteilnehmer gern auf, als sie am Sonntag darüber nachdachten, wie sie die Erkenntnisse des Seminars in ihren Alltag übersetzen können: Noch in diesem Jahr wird Münster United gegen BSV United Colours aus Dortmund spielen. Außerdem wollen die Spieler bei der Flüchtlingsunterkunft in der Oxford-Kaserne in Münster-Gievenbeck, die in der Nähe des Trainingsplatzes von Münster United liegt, nachfragen, ob ein Freundschaftsspiel gegen die Bewohner möglich wäre. "Eine eigene Mannschaft nach dem Vorbild des BSV werden wir nicht begleiten können", bedauert Dennis Mallach, Vorsitzender von SC Münster United. Dafür sei sein Verein zu klein, aber ein Spiel in Münster wäre denkbar.

KAB-Referent Ansgar Jux freut sich über diese Aktionsideen, die aus dem Seminar heraus entstanden sind. Er ist fasziniert davon, dass Fußball Unterschiede zurücktreten lässt – zumindest auf Zeit. "Im Fußball gibt es halt keine Flüchtlinge, sondern nur Mitspieler", sagt er. Das sei politische Bildung, die man mit diesem Sport lehren und lernen kann.


Text: Ansgar Jux, Heike Honauer
Foto: KAB
07.09.2016

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