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Absage ist keine Option

Viel war an jenem Wochenende im Juli 2017, als der G20-Gipfel Hamburg aufwühlte, in der Stadt kaputt gegangen: Neben verletzten Menschen gab es brennende Autos und geplünderte Geschäfte, eine beschnittene Pressefreiheit und demolierte Politiker.

Seminarteilnehmer und Freizeitkicker während des Gesprächs im "Zum Silbersack".

Hamburg. Viel war an jenem Wochenende im Juli 2017, als der G20-Gipfel Hamburg aufwühlte, in der Stadt kaputt gegangen: Neben verletzten Menschen gab es brennende Autos und geplünderte Geschäfte, geplatzte politische Hoffnungen, eine beschnittene Pressefreiheit und demolierte Politiker. Der G20 zerbröselte zwar selbst auch – das KAB-Seminar "Fußball und die Arbeit", das genau an jenem Wochenende in Hamburg stattfand, ließ dennoch am Ende alle Teilnehmer als politische Gewinner aus der Hansestadt zurückkehren.

Bereits im Vorfeld des Seminars hatte Ansgar Jux, Bildungsreferent beim KAB-Bildungswerk Münster und Leiter des Seminars, zu spüren bekommen, was es heißen könnte, nach Hamburg zu fahren: "Das Programm des Seminars, alle Besuche und Gesprächsrunden hatten wir schon vor vielen Monaten gebucht und fest verabredet. Und dann bekam ich in den letzten Wochen nach und nach Absagen von Referenten und Einrichtungen, weil sie die Auswirkungen des G20-Gipfels auf die Stadt nicht einzuschätzen vermochten", erklärt Ansgar Jux. Bis nach Münster habe er spüren können, wie groß die Unsicherheit und die Anspannung im Vorfeld des G20-Treffens in Hamburg war. "Eine Absage des Seminars war nicht wirklich eine Option", versicherte Jux. "Es blieb uns nichts anderes übrig, als den Kampf gegen die G20-Angstlähmung aufzunehmen", sagt er. Er wagte sich mit den Teilnehmern, alles Fußballspieler aus Münster, ins "Epizentrum der Katastrophe", wie er danach beschrieb, und die Seminarteilnehmer setzen sich statt mit Fußball und Arbeit nun mit den dort stattfindenden Gewalten intensiv auseinander.

Dreizehn Freizeitkicker des SC Münster United ließen also mit dem KAB-Bildungswerk ihr Hobby erstmal hinter sich und beschäftigten sich mit den Inhalten und Personen des G20-Gipfels, wichtigen Verhaltensregeln auf Demonstrationen, Gewalt und Gegengewalt, verschiedenen Formen des Protestes und den Folgen für die Menschen in einer solchen Stadt im Ausnahmezustand.

Besonders wichtig war ihnen dabei das Gespräch mit den Menschen vor Ort. So bekamen sie u. a. von Thomas Langkau – Bewohner von St. Pauli, Lehrer, Künstler und Aktivist – einen schillernden Überblick über die Geschichte und die Verwobenheit der linken Szene mit dem Schanzenviertel und St. Pauli. "Die politische Gemengelage in Hamburg ist anders als in den anderen Bundesländern und die linke Szene hat in dieser Stadt eine sehr wichtige politische, kulturelle und identifikationsstiftende Aufgabe", erklärte Langkau. Umso provokanter fand er die Entscheidung, den G20 hier in dieser Stadt stattfinden zu lassen.

Ein Mensch, der von sich behauptet, ein Links-Radikaler zu sein und der jegliche Gewalt ablehnt und der dennoch hin und wieder zum "Kapitalisten" wird, ist Dominik Großefeld. Der junge Wirt der traditionsreichen Eckkneipe "Zum Silbersack" nahm sich auch über zwei Stunden Zeit, um mit den Seminarteilnehmern hinter die politischen und kulturellen Kulissen auf St. Pauli zu schauen – kurz, nachdem über 76.000 friedlich demonstrierende Menschen zur Abschlusskundgebung "Grenzenlose Solidarität statt G20" an seiner Kneipe vorbeigegangen waren. Großefeld ist sicher, dass ein friedliches Miteinander möglich ist, "auch zwischen St. Pauli- und HSV-Fans", wie er augenzwinkernd erklärte. In grandiosen Anekdoten schilderte er, wie Menschen einander viel Toleranz entgegenbringen und wie sich viele sozial in ihrem eigenen Umfeld engagieren. Die Politik störe da oft nur.

Die Eindrücke, die die Teilnehmenden am letzten Seminartag zusammentrugen, waren vielfältig, teilweise beängstigend, bilderreich und manchmal gigantisch: die bedrohlichen Wasserwerfer der Polizei, die jeder über eine Million Euro gekostet haben; brennende Autos, deren Reifen neben einem zerplatzten; tausende von Demonstranten, die singend und tanzend eine Demo zur Party machten; nachts fast leere Nebenstraßen der Reeperbahn, wo sonst Menschenmassen feiern; Menschen, die von ihrer Stadt schwärmten und politische Mitbestimmung einfordern sowie eine Stadt, die bei herrlichem Wetter und zeitweise kriegsähnlichen Zuständen so gänzlich verschiedene Gesichter zeigte.

Genau diese Auseinandersetzung mit diesen erlebten und gelebten Eindrücken war für die Teilnehmer und Freizeitkicker der entscheidende Gewinn des Seminars. Alle waren sich am Ende über folgendes einig: Hamburg immer wieder gerne, KAB-Seminare auch, aber den G20-Gipfel muss man höchstens einmal erlebt haben.


Text: Ansgar Jux und Heike Honauer
Foto: privat
11.07.2017

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